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                           URSACHE & WIRKUNG

                            Der folgende Artikel stammt aus Heft 18 (Herbst 96)

                           Ohne den Körper geht gar nichts

                                     Spiritualität und Yoga

                                           Ursula Lyon

                       In dieser Ausführung möchte ich die buddhistische Umgangsform
                       mit der Körperlichkeit anhand von Lehrreden und anhand eigener
                       Erfahrungen darstellen. Die eigenen Erfahrungen beziehen sich hier
                       auf die Meditationsübungen und auf die Kombination mit dem
                       körperlichen Yoga.

                       Folgendes Diagramm soll meine Vorgehensweise klären:

                        Unheilsamer Umgang mit
                                                        Unheilsamer
                                                        Umgang mit
                        dem Körper:
                                                        dem Körper:
                        Vernachlässigung/Askese
                                                        Genußsucht/Rausch
                                               DER
                                             KÖRPER
                                            aus der Sicht
                                                der
                                           buddhistischen
                                              LEHRE
                        Heilsamer Umgang
                                                        Heilsamer Umgang
                        mit dem Körper:
                                                        mit dem Körper:
                        Nötige Fürsorge;
                                                        Übungsgebiet;
                        Gesundheit
                                                        Körper-Achtsamkeit
 

                       I. Die zwei Sichtweisen der buddhistischen Lehre über die
                       Bedeutung des Körpers.

                       II. Zitate aus den Lehrreden des Buddha, welche die
                       Körperlichkeit betreffen.

                       III. Das "Herz des Buddhismus". Achtsamkeit und
                       Wissensklarheit.

                       a) YOGA zur körperlichen Optimierung für das "Sitzen".

                       b) YOGA mit meditativen Aspekten

                       c) Meditations-Objekt: KÖRPER (kayanupassana)

                       d) YOGA als erfahrbare Lehre (Dhamma; Lehrinhalte)

                       Erfahrbare buddhistische Lehrinhalte: Bala (Indriya)

                       (Indriya = geistige Fähigkeiten, als Anlage in jedem Menschen
                       vorhanden, die entwickelt zu geistigen Kräften, Bala, werden.)

                       Beispiel an einer Yoga-Serie, "Karana"

                       die 5 geistigen Kräfte "Balas" (Selbstwertbildung);

                       einen buddhistischen Lehrinhalt körperlich erfahrbar machen.

                       IV. Rechte Sicht und Rechtes Maß.

                       Üben ohne Fanatismus, ohne Nachlässigkeit.

                       Körper- und Geisttraining kombinieren.

                       Segen der Körper-Achtsamkeit und Wissensklarheit.

                       I .Die zwei Sichtweisen über die Bedeutung der
                       Körperlichkeit.

                       Wenn wir uns mit der buddhistischen Lehre befassen, haben wir
                       am Anfang oft den Eindruck, daß diese Lehre als "geistige
                       Disziplin" zu sehen ist und nichts mit dem Körper zu tun hat. "Die
                       Schulung des Geistes" wird sie auch genannt und das mit Recht,
                       denn in unendlich vielen Suttas kommen immer wieder die Termini
                       vor: "...durch weises Besinnen,...durch weises Nachdenken..."
                       Ganz deutlich wird diese Einstellung im 1. Dhammapada-Vers
                       ausgedrückt:"Den Dingen geht der Geist voran, der Geist
                       entscheidet...". Mit Dingen ist alles Materielle gemeint aber in
                       erster Linie der Körper. Ohne das Bewußtsein ist der Körper nicht
                       funktionsfähig. Ohne dieses Bewußtsein, das sich für uns
                       hauptsächlich als Denken manifestiert, haben wir keine
                       Möglichkeit, unser Handeln , was ja durch Körperlichkeit
                       geschieht, zu steuern. ... Ebenso ist der Geist vom menschlichen
                       Organismus abhängig, ohne ihn ist auch er nicht funktionsfähig.

                       Der Geist wird nach der Lehre definiert als ein Zusammenspiel von
                       "Gefühl - Wahrnehmung - Gedanken-und Willens-Impulsen und
                       Bewußtsein".

                       Stellen wir uns einmal vor, unsere Atmung und die Herztätigkeit
                       würden versagen; in kürzester Zeit würden damit auch die geistigen
                       Funktionen wie Gefühl, Wahrnehmung und Willensimpulse
                       versiegen; wir wären bewußtlos.

                       Vom Buddha wird berichtet, daß er vor seiner Erleuchtung
                       strengste Askese übte, um die körperlichen Triebe und geistigen
                       Willensimpulse abzutöten. Als er einsah, daß er eher sterben
                       würde als rein und erleuchtet zu werden, brach er diese
                       Selbstkasteiung ab.

                       Er propagierte den "Mittleren Weg", was ihm damals Ablehnung
                       von seinen Anhängern einbrachte.

                       Da der Buddha als Prinz Siddhartha in einem Palast aufgewachsen
                       war, kannte er das körperliche Wohlleben mit allen Genüssen.

                       Die meisten Menschen sind von den Sinnesreizen so fasziniert, daß
                       sie sich dem Leben des Genusses, der Macht und des Wissens
                       hingeben und für den Erwerb und Erhalt kämpfen.

                       In unserer jetzigen Wohlstandsgesellschaft sind wir leicht dem
                       "Lebensrausch" verfallen, wie der Buddha es später nannte.

                       Dem Prinzen Siddhartha genügte das angenehme Leben mit allen
                       weltlichen Vorteilen nicht; er suchte nach Wahrheit und
                       Leidfreiheit.

                       II. Zitate aus den Lehrreden des Buddha:

                       A III 39 DREIERLEI RAUSCH

                       "Drei Arten des Rausches gibt es, ihr Mönche. Welche drei?

                       Den Jugendrausch, den Gesundheitsrausch, und den
                       Lebensrausch.

                       Betört vom Jugendrausch, vom Gesundheitsrausch oder vom
                       Lebensrausch führt der unkundige Weltling einen schlechten
                       Lebenswandel in Werken, einen schlechten Lebenswandel in
                       Worten, einen schlechten Lebenswandel in Gedanken. Dadurch
                       aber gerät er auf eine Leidensfährte und in Daseinsabgründe..."

                       Der Prinz Siddhartha erkannte, daß dies nicht der Weg zur
                       Wahrheit sein konnte. Er experimentierte mit rigoroser körperlicher
                       Askese - aber er verwarf sie.

                       Er kam zur Einsicht, daß die körperliche Gesundheit und ein
                       möglichst langes Leben gute Vorraussetzungen für geistiges

                       Streben seien.

                       A V 126 LEBENVERKÜRZENDE UND
                       LEBENVERLÄNGERNDE DINGE

                       Fünf Dinge, ihr Mönche, verkürzen das Leben. Welche fünf?

                            Unzuträgliches tun;
                            beim Zuträglichen nicht das Maß wissen;
                            Unreifes und Ungares zu sich nehmen;
                            Sittenlosigkeit und
                            schlechter Umgang.

                       Fünf Dinge verlängern das Leben. Welche fünf?

                            Unzuträgliches nicht tun;
                            beim Zuträglichen das Maß wissen;
                            Unreifes und Ungares nicht zu sich nehmen;
                            Sittenlosigkeit verwerfen und
                            guten Umgang pflegen."

                       Einem wohlhabenden Anhänger, mit Namen Anathapindika, der
                       dem Buddha und den Mönchen einen Tempel und einen Hain
                       gestiftet hatte aber selbst wegen seiner Geschäfte nicht zum
                       intensiven Üben kam, gab er folgenden Ratschlag:

                       A V 43 FÜNF ERWÜNSCHTE DINGE (gekürzt)

                       "Es gibt, o Hausvater, fünf erwünschte, begehrte, angenehme
                       Dinge, die schwer in der Welt zu erlangen sind. Welche fünf?

                       Langes Leben, Schönheit, Glück, Ehre und himmlische
                       Wiedergeburt. Und ich sage, o Hausvater: nicht durch Gebete und
                       Gelübde erlangt man diese fünf erwünschten Dinge. Denn könnte
                       man sie durch Gebete und Gelübde erlangen, wer möchte wohl auf
                       sie verzichten? Nicht ziemt es sich für den edlen Jünger, der langes
                       Leben, Schönheit, Glück, Ehre und himmlische Wiedergeburt
                       wünscht, daß er darum fleht, daran Entzücken findet oder danach
                       giert. Zur Erlangung eines langen Lebens (Schönheit...) sollte der
                       danach strebende edle Jünger eben den zu langem Leben
                       führenden Pfad beschreiten."

                       Aus seinen eigenen Worten sieht man, daß der Buddha sehr wohl
                       auf den Körper, seine Gesundheit und langes Leben Wert gelegt
                       hat. Bei den 5 Kräften als gute Voraussetzung für die Praxis und
                       den spirituellen Weg steht Gesundheit an zweiter Stelle. Er selbst
                       hat jeden Tag zu Fuß wandernd weite Strecken zurückgelegt,
                       Ruhezeiten eingehalten und in den Ordensregeln körperliche
                       Belange wie Essen, Kleidung, Unterkunft und Medizin
                       berücksichtigt.

                       DIE FÜNF KAMPFESGLIEDER

                       Der Buddha nennt Vertrauen, Gesundheit, Ehrlichkeit, Willenskraft
                       und Weisheit als die fünf Eigenschaften, die für den Kampf auf dem
                       Entwicklungsweg die besten Voraussetzungen sind. (A V 48)

                       Die Körperlichkeit des Menschen wird im Buddhismus weder
                       verdammt, noch negiert; sie wird vielmehr als eine notwendige
                       Voraussetzung für den geistigen Weg akzeptiert und auch gepflegt.
                       Dagegen wird das Haften und Anklammern an Sinnendingen und
                       materiellem Leben abgelehnt, weil es abhängig macht und
                       unweigerlich zu Problemen und Leid führt. Wie oben zitiert ist der
                       "Lebenswahn" weit verbreitet, nämlich, daß man sich Glück und
                       Erfüllung mit körperlich-materiellen, weltlichen Dingen verschaffen
                       könnte.

                       Die kleinen Glücksmomente liefert uns das Leben schon; doch die
                       innere Reinheit des Herzens und die tiefste, unerschütterliche
                       Zufriedenheit ist nicht etwas, was von außen erworben werden
                       kann.

                       Sich von der Illusion zu befreien, daß man es doch noch schafft mit
                       materiellen Mitteln glücklich zu werden, ist nicht leicht. Es geschieht
                       entweder durch die Erfahrung von Enttäuschungen oder durch tiefe
                       Einsicht. Leider ist damit die vollkommene Befreiung vom
                       Lebensleid noch nicht erreicht; dazu gehört ein weites Feld der
                       Übung für innere Reinheit, liebende Güte und für vollkommene
                       Einsicht.

                       III. Das Herz des Buddhismus: Achtsamkeit und
                       Wissensklarheit.

                       Die spirituelle Übung:

                       Die Achtsamkeit wird von Thich Nhath Hanh, einem bekannten
                       Dhammalehrer, als das "Herz des Buddhismus" genannt.
                       Achtsamkeit und Wissensklarheit sind die geistigen Werkzeuge,
                       die wir für den spirituellen Pfad brauchen. Die praktische Übung ist
                       die Meditation, in der wir uns mit Achtsamkeit unserem
                       Meditationsobjekt zuwenden. Aber auch im alltäglichen Leben
                       wird Aufmerken und Präsent-Sein von uns verlangt. Das
                       vielgepriesene "Hier und Jetzt" kann nur mit der rechten
                       Achtsamkeit erfaßt werden. - Und da steht der Körper im
                       Mittelpunkt. Der Körper ist immer das Objekt für Hier und die
                       Sinnesfunktionen sowie Bewegung und Atmung erleben wir immer
                       nur im Jetzt.

                       Wie wichtig dem Buddha die Körperbetrachtung war, zeigen die
                       nächsten Zeilen:

                       A I 37

                       "Wer nicht den Einblick in den Körper kostet,

                       der kostet nicht das Unvergängliche."

                       Über den tiefen Einblick ins Vergängliche erfahren wir die
                       Unvergänglichkeit.

                       Aus unserer Vorstellung von Zukunft und Vergangenheit ist das
                       Hier und Jetzt ein rasch vergänglicher Augenblick - aus dem
                       Erleben eines ständig in der Gegenwart ablaufenden Prozesses
                       wird die gegenwärtige Unendlichkeit erfahren. Es ist nicht
                       zukünftige Ewigkeit - es ist die Erfahrung, daß es nichts anderes
                       gibt als das Hier und Jetzt bis in alle Ewigkeit hinein.

                       Die Meditation:

                       Aus zwei Gründen ist der Körper ein wichtiger Faktor bei der
                       Meditation. Einmal ist es derjenige, der dasitzt, möglichst aufrecht,
                       wach und entspannt. Zweitens bietet er verschiedene
                       Möglichkeiten, die Achtsamkeit auf eine bestimmte Stelle zu
                       lenken; z.B. auf den Atemfluß an der Nase oder das Heben und
                       Sinken der Bauchdecke. Bei übungen auf dem Stuhl sitzend kann
                       man sich den Fußsohlen achtsam zuwenden oder auch dynamisch
                       geistig durch den Körper "wandern".

                       III a) HATHA-YOGA zur körperlichen Optimierung

                       als Vorbereitung und Ausgleich für das Sitzen.

                       Von großem Vorteil sind für aufrechtes, kraftvolles und zugleich
                       entspanntes Sitzen vorbereitende Yoga-Übungen. Sie geben der
                       Wirbelsäule und den Muskeln mehr Halt und sie verfeinern das
                       Gefühl für richtige Spannungsverhältnisse. Kreislauf und Atmung
                       erfahren durch maßvollen Yoga gute Unterstützung und der
                       gesamte Energiefluß wird angeregt, sodaß beim Sitzen ein
                       körperliches Wohlgefühl aufkommen kann. Viele Meditierer haben
                       Beschwerden in den Knie- und Hüftgelenken, was sie auf Dauer
                       abhält, weiter zu sitzen.

                       Die meisten Menschen sitzen zum Meditieren auf einem
                       Meditationskissen mit verschränkten Beinen am Boden. Es ist nicht
                       leicht eine halbe bis ganze Stunde die Wirbelsäule aufrecht zu
                       halten, sich nicht zu verspannen und sich von körperlichem
                       Unbehagen nicht ablenken zu lassen. Der Rücken wird müde, die
                       Schultern verspannen sich, die stark gebeugten Knie schmerzen
                       und die Hüftgelenke sind überanstrengt. In ausgedehnten
                       Meditationszeiten und Seminaren wird wegen Mangel an
                       Bewegung über Verstopfung, Kreislaufbeschwerden, Stau in den
                       Beinen und Krampfaderbildung geklagt.

                       Mit Yogaübungen kann man diesen Beschwerden vorbeugen. Sie
                       stärken Rücken- Bauch- und Schultermuskeln, machen die
                       Gelenke beweglich und regen die Körperfunktionen in rechtem
                       Maße an. Außerdem lernt der Übende, mit seinem Körper besser
                       umzugehen, er kennt seine Möglichkeiten und Grenzen und
                       bekommt ein sicheres Gefühl für richtige Spannung. Wer mit
                       bewußter Energielenkung vertraut ist, kann sich auch in
                       schwierigen Situationen selbst helfen.

                       Zwischen und nach Meditationssitzungen ist es angebracht, in
                       meditativer Form für den körperlichen Ausgleich zu sorgen.
                       Überdehnte Kniegelenke sollten gespannt werden, verspannte
                       Muskeln gedehnt und gelöst, und die Blutzirkulation sowie der
                       Blutdruck haben meistens eine Aktivierung nötig.

                       Man geht freudiger zum Meditationspolster, das Sitzen wird
                       leichter und die Konzentration besser.

                       III b) YOGA und seine meditativen Aspekte

                       Der richtig verstandene Hatha-Yoga ist keine gewöhnliche
                       Gymnastik, sondern führt gezielt zur Meditation hin. Er wirkt als
                       guter Übergang vom stressigen Alltag zum stillen Sitzen. Die
                       Bewegungen werden verlangsamt und sehr bewußt ausgeführt. Die
                       Aufmerksamkeit wird weg vom Kopf auf den Körper gerichtet ins
                       "Hier und Jetzt". Der Atem wird in die Übung mit einbezogen und
                       bewußt gemacht. Viele Menschen bekommen dadurch erst einen
                       Zugang zum eigenen Atem, sie lernen ihn spüren, was ihnen dann in
                       der Meditation bei der Atemachtsamkeit (anapanasati) sehr
                       zustatten kommt.

                       Obwohl die meisten Menschen viel für ihren Körper tun in Bezug
                       auf Ernährung, Vergnügen und auch Sport, ist oft ein Mangel an
                       wirklichem Spüren und gefühlsmäßiger Hinwendung zum Körper
                       festzustellen. Meistens ist es ein Zeichen von Gefühlsschwäche, die
                       eine gute Meditation kaum zustande kommen läßt. Die
                       Kombination von Yoga und Meditation zeigt sich hier als sehr
                       hilfreich.

                       Meditative Aspekte im Yoga:

                            Verlangsamung der Bewegung und sich des Körpers
                            bewußt werden.
                            Anhalten und zur Ruhe kommen, entspannen.
                            Hinwendung zum "Selbst" im Hier und Jetzt.
                            Achtsamkeit auf einzelne Bewegungen, Haltungen und die
                            Atmung.
                            Wissensklare und präzise Durchführung.
                            Anstatt Kopflastigkeit - Konzentration auf die
                            Körperhaltung:
                                 darin den Atem erspüren,
                                 darin die Körperempfindung erspüren,
                                 darin die Stimmungslage und Gefühle wahrnehmen,
                                 darin sich akzeptieren lernen.
                            Wahrnehmen der eigenen Möglichkeiten.
                            Erkennen der eigenen Grenzen.
                            Die Balance finden von Wollen und Zulassen.

                       III c) Meditations-Objekt: Körper in der
                       Achtsamkeitsmeditation

                       (Satipatthana)

                       Die Rechte Achtsamkeit bildet innerhalb des buddhistischen
                       Lehrgebäudes das siebte Glied des edlen achtfachen Pfades und
                       hat die Gewinnung des erlösenden Hellblickes (Vipassana) zum
                       Ziel. Sie wird auf vier Gebieten geübt:

                            Achtsamkeit auf den Körper - "kayanupassana"
                            Achtsamkeit auf die Gefühle - "vedananupassana"
                            Achtsamkeit auf den Geisteszustand - "cittanupassana"
                            Achtsamkeit auf die Gedanken - "dhammanupassana"

                       Die Lenkung der achtsamen Betrachtung auf eines dieser Gebiete
                       heißt "Satipatthana", Achtsamkeitsmeditation.

                       Die daraus resultierende Einsicht wird Vipassana genannnt.

                       Der Buddha nennt die Achtsamkeit auf den Körper immer an
                       erster Stelle, weil er sie für grundlegend wichtig hält.

                       ZITATE aus den Lehrreden des Buddha:

                       DIE KÖRPERBETRACHTUNG

                       "Ist der Körper nicht bemeistert, so ist auch der Geist nicht
                       bemeistert; ist der Körper bemeistert, so ist auch der Geist
                       bemeistert."

                       "...Während er da nach innen beim Körper in Betrachtung des
                       Körpers weilt, wird er dabei vollkommen gesammelt,
                       vollkommen abgeklärt. Hierbei vollkommen geläutert,
                       vollkommen abgeklärt, erzeugt er nach außen, bei einem
                       anderen Körper den Erkenntnisblick. Ebenso auch weilt er bei
                       den Gefühlen, dem Geistzustand, den Geistobjekten."

                       "Dies eine Ding, ihr Mönche, entfaltet und häufig geübt, führt
                       zu tiefer Ergriffenheit, zur Hohen Sicherheit, zu Achtsamkeit
                       und Wissensklarheit, zum Erlangen des Erkenntnisblickes, zu
                       gegenwärtigem Glückszustand, zur Verwirklichung der
                       Wissensbefreiung und des Heiligkeitszieles.

                       Welches eine Ding?

                       Die auf den Körper gerichtete Achtsamkeit."

                       Die Erfahrung des Yoga in die Meditation "einbringen".

                       Wir haben oben gesehen, daß viele meditative Aspekte im Yoga
                       geübt und erfahren werden können. Diese sollen in der Meditation
                       verfeinert und verinnerlicht werden.

                       Bei der Atembetrachtung,"Anapanasati", werden wir durch die
                       Yogakenntnisse leichter die Konzentration auf dem Atem halten
                       können. Allerdings müssen wir lernen, uns im Lenken
                       zurückzuhalten.

                       Die "Stück für Stück"-Methode oder auch "Körperwanderung"
                       genannt, setzt das körperliche Spüren voraus, was im Yoga ja
                       vorgeübt wird.

                       Hier muß vom persönlichen Eingreifen abgesehen werden.

                       Auch das Arbeiten mit Farb-Objekten, Elementen und
                       Naturgegenständen wird im Yoga praktiziert und kann dann in der
                       Meditation eine andere Tiefe, Bedeutung und Erkenntnis erlangen.

                       Die "Allumfassende Güte-Meditation" ist eine wichtige
                       Meditationspraxis, ohne die ein Fortschritt auf dem spirituellen
                       Weg nicht denkbar ist. Sie erhält gute Vorbereitung im Yoga durch
                       das Lernen, sich selbst, die körperlichen Fähigkeiten und
                       momentanen Unfähigkeiten anzunehmen.

                       Die Willenskraft als "Rechte Anstrengung" bekannt, bekommt in
                       der Yoga-Praxis ihr Training und die richtige Balance und muß das
                       ganze Unternehmen des "Wanderns auf dem spirituellen Pfad"
                       unterstützen.

                       DIE VERSUCHUNG IM YOGA

                       Wenn Yogalehrer und gute Schüler die Yoga-Haltungen und
                       Übungen perfekt, d.h. besser als die meisten anderen Teilnehmer
                       beherrschen, kann ein Egotrip daraus werden. Man stellt sich
                       sichtbar in den Mittelpunkt, man ist stolz und selbstzufrieden mit
                       seiner besonderen Leistung. Hervorstechend ist der "perfekte
                       Kopfstand" oder der "Lotussitz", was allgemeine Bewunderung
                       hervorruft.

                       Zu empfehlen ist, daß jeder Yogalehrer bei einem guten
                       Meditationslehrer oder bei einer Meditationslehrerin zugleich als
                       SchülerIn sitzt und auf die EGOFALLE aufmerksam gemacht
                       wird.

                       III d) YOGA als ERFAHRBARE LEHRE (5 Balas/ Indriya)

                       Beispiel

                       Die fünf Balas:

                            Vertrauen
                            Willenskraft
                            Achtsamkeit
                            Sammlung
                            Einsicht.

                       Diese Fünf geistigen Fähigkeiten, die in jedem Menschen angelegt
                       sind, muß der Mensch pflegen und entwickeln, damit sie zu
                       geistigen Kräften werden. In sich selbst und durch sich selbst
                       entwickelte wertvolle geistige Kräfte sind echte Werte, die einen
                       guten, ausgeglichenen Charakter ausmachen.

                       In der buddhistischen Lehre werden sie als Grundlage und als
                       geistiger Fortschritt angesehen. Für uns ist es wichtig zu wissen,
                       daß sie die Grundlage für den Selbstwert des Menschen bilden und
                       daß durch diese geistigen Kräfte auch der Unterschied von Echtem
                       Selbstwert und schwankender Ich-Bestätigung herauszufinden ist.

                       Die 5 Bala (Geistige Kräfte) in Yogahaltungen erfahren.

                       1. Vertrauen in die eigene Kraft / in universelle Kräfte.

                       Yogahaltung: "Der Stock" in Bauchlage, Rückenstärkung.

                       "Der Baum" Vertrauen zu Erde und Himmel.

                       2. Willenskraft Mut zur Veränderung

                       Yogahaltung: "Die Kobra" ,Gegenkraft erproben.

                       "Umkehr, einfacher Schulterstand"

                       3. Achtsamkeit als rechte Balance

                       Yogahaltung: "Boot, Gesäßbalance"

                       Rechte Ausführung, Rechtes Maß.

                       4. Sammlung - Loslassen und Selbstbescheiden

                       Yogahaltung: "Yoga Mudra" Verneigen, Vorbeuge.

                       "Gebremster Atem" Im Ton sammeln.

                       5. Einsicht in das Eingebundensein im Dasein

                       Yogahaltung: "Drehsitz" (Variante), Umsicht.

                       "Meditationssitz und Wechselatem"

                       Lebendigkeit, Veränderung.

                       AUSFÜHRUNG:

                       1a. Vertrauen in die Eigenkraft:"Der Stock"

                       Dazu liegt man auf dem Bauch, Arme seitlich längs am Körper,
                       Gesicht nach rechts gedreht.Nun spannt man die einzelnen
                       Körperteile aufbauend nacheinander an bis der ganze Körper von
                       der Muskelspannung erfaßt ist: Füße- Beine- Gesäß und Bauch-
                       LWS-Gebiet und Taille- oberer Rücken und Brustkorb- die
                       Schultern und Arme- Hals und Kopf, indem das Gesicht zur Mitte
                       nach unten etwa 5cm über dem Boden gehalten wird. Drei
                       Atemzüge lang in der Stellung bleiben- dann langsam und achtsam
                       Teil nach Teil, beim Kopf beginnend, entspannen.

                       Mit einem großen Aufatmaen ist diese Übung beendet.

                       3-5x wiederholen.

                       Mögliche Wirkung:

                       Die Muskeln, welche der Wirbelsäule Halt und Stabilität geben,
                       werden gestärkt, was gewöhnlich schon nach 2-3 Wochen
                       konsequenten Übens durch bessere Aufrichtung und mehr
                       Rückenkraft zu fühlen ist. Ein stärkeres Rückgrat ist auch für die
                       Psyche ein Stabilisierungsfaktor. Das Vertrauen, sich zu voller
                       Größe aufrichten und etwas er-tragen zu können, gehört zu den
                       grundlegenden Lebenskräften.

                       1b. Vertrauen zur Erde, zum Himmel: "Der Baum"

                       Im aufrechten Stand sich seiner Füße bewußt werden, wie sie den
                       Boden berühren und durch die Anziehungskraft der Erde
                       Standfestigkeit erhalten. Langsam von unten nach oben
                       durchspüren, wie die Energie zum Aufrichten gut eingesetzt wird;
                       nicht zuviel und nicht zu wenig. Wenn von den Füßen bis zum
                       Scheitel kraftvolle Sicherheit erlangt worden ist, kann zusätzlich
                       durch die Atmung und das Bewußtsein das Gefühl von
                       Aufwärtsdehnung eingesetzt werden. Nun das Körpergewicht auf
                       den rechten Fuß verlagern und diesen in der Vorstellung wie ein
                       Baum in der Erde Wurzeln schlagen lassen. Der linke Fuß sollte
                       bei gutem Gleichgewicht vom Boden abgehoben und hinten um die
                       rechte Wade und Achillessehne gelegt werden. Den Blick auf einen
                       Punkt in Augenhöhe fixieren, um die Konzentration aufrecht zu
                       erhalten.Wenn es die Standsicherheit erlaubt, nun ruhig und
                       achtsam die Arme seitwärts bis über den Kopf heben und die
                       Handflächen, mit den Fingerspitzen nach oben, zusammenlegen. In
                       dieser Haltung verharren und ruhig weiteratmen. Sich bewußt
                       werden, daß auch wir uns als Menschen auf den Halt von der Erde
                       verlassen können, der uns die Möglichkeit gibt, nach oben zum
                       Licht, zum Himmel, zu streben. "Der Baum" wird dann langsam
                       aufgelöst und mit dem anderen Standbein wiederholt.

                       Mögliche Wirkung:

                       Bewußten Bodenkontakt mit den Füßen herstellen.(Einzelheiten
                       werden im Unterricht angegeben).Gute Aufrichtung erlernen mit
                       optimalem Spannungsverhältnis, das für aufrechtes Stehen, Gehen
                       und schmerzloses Sitzen eine Hilfe ist. Die Konzentration wird
                       durch die Balance auf einem Bein gestärkt. Psychisch ist es vor
                       allem, das bewußte Wahrnehmen, als Mensch von der Erde den
                       nötigen Halt zu bekommen, vom Himmel die lebenspendenden
                       Kräfte wie Luft und Licht, was das Vertrauen zu den Elementen
                       und zum Leben unterstützt.

                       2a. Willenskraft- Mut zum Widerstand:"Die Kobra"

                       In Bauchlage sich des Bodenkontaktes und der Erdanziehung
                       bewußt werden. Die Hände seitlich an den Schultergelenken
                       aufstellen, Unterleib und Schambein gut an den Boden drücken,
                       um von hier die Kraft zum Aufrichten des Oberkörpers zu
                       beziehen. Die Stirn zu Boden bringen und ausatmen. Mit der
                       Einatmung und dem Gegendruck des Unterleibesgegen den Boden,
                       der Kraft der Rückenmuskeln und zuletzt der Hände gegen den
                       Boden,- sich mit Kopf, Schultern und Brust aufrichten wie eine
                       Kobra; mäßigen in der Höhe, um den Lendenwirbeln keinen
                       Schaden zuzufügen. - Ausatmend geführt ablegen und ruhen. In
                       dieser Weise dreimal die Kobra ausführen. Wer sich dabei gut
                       fühlt, sollte versuchen, drei Atemzüge lang in der Stellung zu
                       verharren.

                       Mögliche Wirkung:

                       Die Rückenmuskeln werden gestärkt. Die Brustwirbelsäule erhält
                       eine ihrer Physiologie entgegengesetzte Biegung, wodurch dem
                       Rundrücken entgegengearbeitet wird. Hals und Schultern
                       bekommen Kraft, während der Brustbereich geweitet wird.
                       Psychisch ist es der Mut, sich der Anziehungskraft
                       entgegenzustemmen, um "Nein" zu sagen zum bequemen Ausruhen
                       am Boden. Zugleich steht die Bereitschaft zur Öffnung des Herzens
                       dahinter.

                       2b. Willenskraft- Mut zur Umkehr: "Der Schulterstand"

                       In Rückenlage sich am Boden dehnen, die Beine an den Bauch
                       anhocken und mit den Händen umfassen; sich so des Aufliegens
                       bewußt werden. Als Vorübung die Beine zur Decke hinaufstrecken
                       und die Arme seitlich im rechten Winkel vom Körper am Boden
                       ablegen. Ausatmend die Beine wieder angehockt an den Bauch
                       bringen und umfassen - einatmend die Beine nach oben strecken
                       und die Arme seitlich ablegen. Mehrmals wiederholen.

                       Für den Schulterstand bei angehockten Beinen die Hände dicht am
                       Gesäß aufstützen und Druck erzeugen, sodaß die Knie in
                       Gesichtsnähe kommen. Nun die Ellbogen nah zum Körper bringen,
                       sie gegen den Boden drücken und die Hände stützend an das
                       Becken legen.Die Beine schräg nach oben strecken und versuchen,
                       den ganzen Rumpf und die Beine aufwärts zu dehnen, einige
                       Atemzüge lang bleiben. Wenn unangenehmer Druck im Nacken
                       oder in der Kehle entsteht, sollte man nur die Vorübung machen
                       und sich persönliche Anweisung von einem Yogalehrer (einer
                       Yogalehrerin) holen. Beim Auflösen der Haltung ist darauf zu
                       achten, kontrolliert im Rücken abzurollen und gleichzeitig den Kopf
                       in Knierichtung zu heben. Als Ausgleich ist es gut, mit umfaßten
                       Knien eine Weile zu ruhen und die Wirkung wahrzunehmen.

                       Mögliche Wirkung:

                       Die Blutversorgung ist umgekehrt; d.h. der venöse Rückfluß aus
                       Beinen und Unterleib wird angeregt, die obere Körperpartie
                       bekommt mehr arterielles Blut. Das Gehirn, die Augen und Ohren
                       bekommen mehr Druck, was sich bei niedrigem Blutdruck günstig
                       auswirkt. Bei Bluthochdruck empfiehlt es sich, auf den
                       Schulterblättern ganz liegen zu bleiben oder die Beine an der Wand
                       abzustützen.- Die Übung stärkt bei korrekter Durchführung fast
                       alle Muskeln und wirkt durch die Lageveränderung auf alle
                       Organe. Psychisch kann sie je nach Veranlagung des Übenden
                       beruhigen oder anregen. Es steckt darin auch der Mut des
                       Experimentierens. Mit dem Kopf unten sieht alles anders aus.

                       3a. Achtsamkeit als rechte Balance: "Gesäßbalance, Boot"

                       Mit ausgestreckten Beinen gut aufgerichtet sitzen, die Hände
                       stützen die Haltung hinter dem Rücken am Boden. Die Beine
                       beugen und die Füße aufstellen. Nun die Füße einige Zentimeter
                       vom Boden abheben und die Arme ausbreiten. Mit aufgerichtetem
                       Oberkörper in der Schwebe verharren und weiteratmen. - Ruhig
                       die Füße abstellen und die Knie umfassen. Beim Boot werden die
                       Arme schräg nach vorn unten gestreckt, der Oberkörper mit
                       gerader Wirbelsäule etwas nach hinten geneigt und die Beine
                       gebeugt soweit angehoben, daß die Unterschenkel waagerecht
                       sind. Versuchen, einige Atemzüge lang zu verharren. Wenn das
                       nicht möglich ist, mehrmals aber kürzer die Übung wiederholen.
                       Der Ausgleich geschieht durch das umfassen der Knie und dem
                       Entspannen von Rücken und Nacken. Nachspüren!

                       Mögliche Wirkung:

                       Stärkung der Bauch- und Rückenmuskeln. Das Gleichgewicht muß
                       in angespanntem Zustand gefunden werden. Die Konzentration
                       wird durch die Achtsamkeit auf drei Faktoren gleichzeitig
                       gefordert: Die nötige Anspannung, die Aufrichtung der Wirbelsäule
                       und des Brustkorbes und die Haltung der Beine in der richtigen
                       Balance. Gleichgewichtsübungen regen auch das Gehirn an.

                       3b. Achtsamkeit als Regler für "Rechte Ausführung und
                       rechtes Maß".

                       Wie oben in die Ausgangsstellung für das Boot gehen. Nun aber zu
                       einer intensiveren Ausführung des Bootes mit schräg
                       aufgerichtetem Oberkörper die Beine gebeugt heben und sie
                       schließlich schräg nach oben strecken, sodaß zwischen dem Rumpf
                       und den Beinen etwa ein rechter Winkel entsteht. Die Arme seitlich
                       an den Beinen vorbei waagerecht nach vorne führen. In dieser
                       Haltung, die präzise eingenommen wird, die Achtsamkeit auf die
                       eigenen Möglichkeiten und Grenzen richten. Das rechte Maß von
                       Anstrengung, Aufrichtung und Dauer der Haltung herausfinden.
                       Den Ausgleich in Rückenlage mit angehockten Beinen machen.

                       Mögliche Wirkung:

                       Bei dieser Boot-Haltung werden die Bauch- und
                       Oberschenkel-muskeln noch intensiver als bei der vorigen Übung
                       beansprucht. Somit können auch die Grenzen und Möglichkeiten
                       besser ausgelotet werden. Bei präzisem Vorgehen wird die
                       Achtsamkeit sehr gerichtet eingesetzt. Psychisch ist es eine günstige
                       Ausbalancierung der körperlichen wie emotionalen Kräfte.
                       Genauigkeit und rechtes Maß werden gefordert.

                       4a. Einsicht in das Eingebundensein im Dasein: "Der
                       Drehsitz"

                       Ausgangsstellung ist der Sternsitz, d.h. die gebeugten Knie liegen
                       seitwärts rechts und links am Boden und die Fußsohlen
                       aneinander. Gut aufrichten und die Arme seitwärts hinauf bis über
                       den Kopf führen und dort die Daumen umhaken. Mit dem Zug der
                       Arme nach oben wird der ganze gerade Rumpf nach oben
                       gedehnt. Weiteratmen!

                       Nun die Arme geführt bis zur seitlichen Waagerechten senken, den
                       Körper leicht nach links drehen, daß die rechte Hand über den
                       linken Schenkel greifen und sich halten kann und die linke Hand
                       hinter dem Rücken zu Boden kommt. Achtsam den Bauch, die
                       Brust, Schultern und Kopf nach links drehen soweit es möglich ist.
                       Die Wirbelsäule vom Steißbein bis zum Scheitel soll sehr gerade
                       aufgerichtet bleiben. Es ist ein Drehen um die eigene Achse.
                       Verharren und das rechte Maß an nötiger Energie finden; alles
                       Zuviel einsparen! Den Atem fließen lassen! Aufgelöst wird die
                       Haltung durch geführtes Zurückdrehen. Der Ausgleich findet in der
                       Vorbeuge statt. Die Haltung ist ebenso zur anderen Seite hin
                       auszuführen.

                       Mögliche Wirkung:

                       Da sich der Brustkorb gegen das Becken verschiebt, entsteht der
                       Effekt des "Auswringens" im Oberbauch und in der Nierengegend.
                       Dieser Abschnitt wird besonders angeregt, was sich in erhöhter
                       Nieren- und Darmtätigkeit ausdrückt. Die Wirbelgelenke werden
                       durch die Drehung aktiviert und die Wirbelsäule begradigt. Durch
                       das Achsenbewußtsein bekommt die Aufrichtung auch in der
                       Drehung besondere Betonung.

                       Psychisch kann das Sich-Wenden nach allen Seiten als
                       In-Kontakt-Treten mit der Welt gesehen werden, wobei die
                       Wirbelsäule als Drehachse einen sicheren Mittelpunkt bietet. Die
                       Einsicht wendet sich ebenso zur eigenen Mitte wie nach außen.
                       Wissen heißt auch immer beweglich, wendig zu bleiben und die
                       Halsstarrigkeit abzubauen. Rechts und Links werden als polare
                       Seiten verglichen und ausgeglichen. Erproben, vergleichen und
                       prüfen führt zuvernünftiger Einsicht.

                       4b. Einsicht: Leben als Bewegung, Veränderung.

                       "Meditationssitz und Nasenwechsel-Atem"

                       Mit gekreuzten Beinen auf dem Meditationskissen sitzen. Die Knie
                       sollten möglichst zu Boden kommen oder durch eine
                       zusammengerollte Decke unterstützt sein. Die Wirbelsäule ist
                       aufgerichtet, Schultern und Nacken aber nicht verspannt. Die
                       Hände liegen auf den Knien.- Ruhig atmen. Der
                       Nasenwechsel-Atem wird eingeleitet durch das Schließen des
                       rechten Nasenloches mit dem rechten Daumen. Nur durch das
                       linke Nasenloch ein- und aus-atmen und den Luftzug wahrnehmen.
                       Nach einigen Atemzügen rechts öffnen und normal atmen. Dann
                       mit dem Ringfinger der rechten Hand das linke Nasenloch
                       schließen und nur durch das rechte ein- und ausatmen.--- Nach
                       einer Pause nun mit dem Daumen das rechte Nasenloch
                       verschließen und links ruhig ausatmen - links wieder einatmen -
                       links schließen - und rechts ausatmen - rechts wieder einatmen -
                       rechts schließen - und links ausatmen - links wieder einatmen - und
                       rechts ausatmen ...Einen ruhigen, eigenen Atemrhythmus finden,
                       den man ohne Mühe einige Minuten halten kann. Der Atem läuft
                       von einem Nasenloch zum anderen wie ein umgekehrtes "U".
                       Wenn der Geist zur Stille oder zur Mitte neigt, hört man mit dem
                       Wechselatem auf und zentriert sich nach innen.

                       Mögliche Wirkung:

                       Das Sitzen in Meditationshaltung kann die Erkenntnis bringen, wie
                       sich im Körper ständig etwas verändert: Spannung, Druck und
                       Schmerz wechseln mit Lösung, Offenheit und Wohlbefinden ab.

                       Empfindungen verschieben sich oftmals von einem Körperteil zum
                       anderen.

                       Mit der Nasenwechselatmung bekommen wir ein noch deutlicheres
                       Bild von der Beweglichkeit des Atems. Fördert man die Bewegung
                       wie hier beim Atmen, wünscht der Geist sich Ruhe und
                       Zentrierung, was zu gesammelter Meditation führt.

                       5a. Sammlung - Loslassen und Selbstbescheidung.

                       "Yoga-Mudra"

                       Aufrecht auf den Fersen sitzen. Die Hände im Rücken falten und
                       sich langsam und achtsam nach vorne neigen bis der Kopf nahe an
                       den Boden kommt. Bei Druck an den Augen oder Schwindel sollte
                       man die beiden Fäuste aufeinanderstellen und darauf die Stirn
                       legen. Wichtig ist, daß man das Gefühl von "klein
                       zusammengefaltet" bekommt. Bescheiden werden, sich verneigen
                       vor Größerem; das ist die Bedeutung dieser Haltung.

                       Mögliche Wirkung:

                       Loslassen von der Wichtigkeit des Ichs und in
                       Selbstbescheidenheit demütig werden. Die Selbstbeschränkung als
                       positive Kraft erleben.

                       5b. Sammlung und Zentrierung

                       "Gebremster Atem"

                       Aufrecht auf den Fersen sitzen. Ruhig und geduldig atmen. Wenn
                       die Ausatmung beginnt sich in Yoga-Mudra vorneigen wie oben;
                       einen Augenblick in der Atempause verharren und sich mit der
                       Einatmung wieder aufrichten. Mehrmals wiederholen. Nun bei der
                       Ausatmung sich summend vorneigen und bis zum Ende des
                       Summtones unten bleiben. Mit der Einatmung ruhig wieder
                       aufrichten. Mehrmals wiederholen.- Dann beim Ausatmen das
                       "OM" tönen mit Verneigen, einatmend aufrichten. Nach
                       mehrmaliger Wiederholung ruhig aufgerichtet im Fersensitz bleiben
                       und die meditative Atemachtsamkeit beim natürlichen Atem
                       weiterführen. Man kann auch in den gewohnten Meditationssitz
                       wechseln.

                       Mögliche Wirkung:

                       Das Bremsen der Ausatmung durch Summen oder Tönen,
                       verlängert den Atem und läßt ihn bewußter werden. Das Verneigen
                       als Ausdruck des Loslassens und das "OM" als Ausdruck des
                       Sammelns in etwas Höherem ergeben zusammen eine gute
                       meditative Haltung.

                       In der folgenden Meditation kann die Achtsamkeit auf den Atem
                       leichter und länger gehalten werden.
 

                       IV. Rechte Sicht und Rechtes Maß

                            Üben ohne Fanatismus, ohne Nachlässigkeit.
                            Körper- und Geistestraining kombinieren.
                            Segen der Köperachtsamkeit und Wissensklarheit.

                       Was oben als Yoga-Übungen zu den Balas beschrieben wurde,
                       muß korrekterweise in sofern eingeschränkt werden als wir es in
                       dieser Form noch nicht mit den Balas selbst zu tun haben. Jeder
                       Mensch hat potentielle Fähigkeiten, die geweckt und gefördert
                       werden können. Indriya heißen die fünf Balas im Zustand der noch
                       nicht vollentwickelten Fähigkeiten. An ihrer Entwicklung zu
                       arbeiten, ob im körperlichen, psychischen oder mentalen Bereich,
                       ist immer von Vorteil für das täglichen Leben wie für den spirituellen
                       Pfad.

                       Den "Mittleren Weg" zu wählen, ohne Fanatismus und Zwang,
                       aber auch ohne Lässigkeit heißt, in kleinen Schritten aber
                       unentwegt vorwärtszugehen. So kommen wir dem hohen Ziel
                       näher.

                       Eine Fähigkeit der Achtsamkeit sei noch besonders
                       hervorgehoben: Es ist das Regulativ bei Unausgewogenheit der fünf
                       Kräfte. Sie schaut auf ein gutes Gleichgewicht aller Werte
                       untereinander.

                       Die fünf geistigen Kräfte zeichnen als zu verwirklichende spirituelle
                       Werte den ganzen spirituellen Weg vor.

                       In A.V.14

                       "...wird Vertrauen als unerschütterliches Vertrauen zum
                       Vollendeten erklärt, die Willenskraft als unerschütterliches
                       Streben, das Unheilsame zu überwinden und das Heilsame zu
                       erwecken. Die Achtsamkeit wird als unerschütterliche
                       Achtsamkeit und Gedächtniskraft beschrieben, die Sammlung,
                       als die durch Vertiefung gewonnene Sammlung und die
                       Einsicht als durchdringende Einsicht in das Entstehen und
                       Hinschwinden aller Daseinserscheinungen."

                       Um diese unsere Fähigkeiten zu unerschütterlichen geistigen
                       Kräften zu entwickeln, bedarf es einer lebendigen Motivation und
                       sichtbaren Fortschrittes.

                       Die Ansprüche sind hoch aber gerade deswegen ist es meines
                       Erachtens nach notwendig, diese Fähigkeiten an ihrer Basis, im
                       Körperlichen, zu wecken und zu üben. Im Körperlichen können sie
                       erdnah erfahren werden und hängen nicht in intellektuellen
                       Idealvorstellungen in der Luft.

                       Der Buddha ging immer wieder vom Körper aus, um die
                       Lehrinhalte erlebbar zu machen.

                       Vom körperlich-bewußten Üben ist das "Hier und Jetzt" als
                       Stabilisierungsfaktor nicht wegzudenken. Die Stabilität durch die
                       physisch-bewußte Gegenwart sowie die Ausgewogenheit der
                       Übungen und ihre ruhige, achtsame Ausführung verschaffen der
                       Psyche wohltuende Ruhe und Balance.

                       Viele, die vorerst nur Yoga machen wollten, sind unmerklich in die
                       Meditation hineingewachsen und haben den Geschmack von
                       Spiritualität bekommen. Der größte Teil von ihnen hat Interessa an
                       der Lehre gefunden, die sie in ihr Leben und vorwiegend in ihre
                       eigene herkömmliche Religion integriert haben.

                       Für sehr wichtig halte ich es, besonders für die heutige Zeit, wo
                       echte Werte wenig Anziehungskraft haben, der Selbstwert aber
                       dementsprechend gesunken ist, wieder fühlbare Kräfte aufzubauen,
                       welche die Basis für echten Selbstwert bilden können.

                       Kraftvolles Selbstwertgefühl ist der Ausgangspunkt für alle anderen
                       Werte. Von sich ausgehend können diese Werte bei anderen
                       gesehen und anerkannt werden.

                       Von dieser Grundlage aus können sie ins Spirituelle hineinwachsen,
                       von wo gleichzeitig die Anziehungskraft des erlösenden Heils als
                       Sog wirkt.

                       Die höchsten unerschütterlichen Kräfte richten sich auf den Buddha
                       als das Befreiungsprinzip, auf den Dhamma als den Befreiungsweg
                       und auf die Sangha als die unterstützende Gemeinschaft im
                       Erlösungsstreben.
 
 
 

                      (Autorin: Ursula Lyon)
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update 23.03.2000 Thomas Linsner