Der folgende Artikel stammt aus Heft 18 (Herbst 96)
Ohne den Körper geht gar nichts
Spiritualität und Yoga
Ursula Lyon
In dieser Ausführung möchte ich die buddhistische Umgangsform
mit der Körperlichkeit anhand von Lehrreden und anhand eigener
Erfahrungen darstellen. Die eigenen Erfahrungen beziehen sich hier
auf die Meditationsübungen und auf die Kombination mit dem
körperlichen Yoga.
Folgendes Diagramm soll meine Vorgehensweise klären:
Unheilsamer Umgang mit
Unheilsamer
Umgang mit
dem Körper:
dem Körper:
Vernachlässigung/Askese
Genußsucht/Rausch
DER
KÖRPER
aus der Sicht
der
buddhistischen
LEHRE
Heilsamer Umgang
Heilsamer Umgang
mit dem Körper:
mit dem Körper:
Nötige Fürsorge;
Übungsgebiet;
Gesundheit
Körper-Achtsamkeit
I. Die zwei Sichtweisen der buddhistischen Lehre über die
Bedeutung des Körpers.
II. Zitate aus den Lehrreden des Buddha, welche die
Körperlichkeit betreffen.
III. Das "Herz des Buddhismus". Achtsamkeit und
Wissensklarheit.
a) YOGA zur körperlichen Optimierung für das "Sitzen".
b) YOGA mit meditativen Aspekten
c) Meditations-Objekt: KÖRPER (kayanupassana)
d) YOGA als erfahrbare Lehre (Dhamma; Lehrinhalte)
Erfahrbare buddhistische Lehrinhalte: Bala (Indriya)
(Indriya = geistige Fähigkeiten, als Anlage in jedem Menschen
vorhanden, die entwickelt zu geistigen Kräften, Bala, werden.)
Beispiel an einer Yoga-Serie, "Karana"
die 5 geistigen Kräfte "Balas" (Selbstwertbildung);
einen buddhistischen Lehrinhalt körperlich erfahrbar machen.
IV. Rechte Sicht und Rechtes Maß.
Üben ohne Fanatismus, ohne Nachlässigkeit.
Körper- und Geisttraining kombinieren.
Segen der Körper-Achtsamkeit und Wissensklarheit.
I .Die zwei Sichtweisen über die Bedeutung der
Körperlichkeit.
Wenn wir uns mit der buddhistischen Lehre befassen, haben wir
am Anfang oft den Eindruck, daß diese Lehre als "geistige
Disziplin" zu sehen ist und nichts mit dem Körper zu tun hat. "Die
Schulung des Geistes" wird sie auch genannt und das mit Recht,
denn in unendlich vielen Suttas kommen immer wieder die Termini
vor: "...durch weises Besinnen,...durch weises Nachdenken..."
Ganz deutlich wird diese Einstellung im 1. Dhammapada-Vers
ausgedrückt:"Den Dingen geht der Geist voran, der Geist
entscheidet...". Mit Dingen ist alles Materielle gemeint aber in
erster Linie der Körper. Ohne das Bewußtsein ist der Körper
nicht
funktionsfähig. Ohne dieses Bewußtsein, das sich für uns
hauptsächlich als Denken manifestiert, haben wir keine
Möglichkeit, unser Handeln , was ja durch Körperlichkeit
geschieht, zu steuern. ... Ebenso ist der Geist vom menschlichen
Organismus abhängig, ohne ihn ist auch er nicht funktionsfähig.
Der Geist wird nach der Lehre definiert als ein Zusammenspiel von
"Gefühl - Wahrnehmung - Gedanken-und Willens-Impulsen und
Bewußtsein".
Stellen wir uns einmal vor, unsere Atmung und die Herztätigkeit
würden versagen; in kürzester Zeit würden damit auch die
geistigen
Funktionen wie Gefühl, Wahrnehmung und Willensimpulse
versiegen; wir wären bewußtlos.
Vom Buddha wird berichtet, daß er vor seiner Erleuchtung
strengste Askese übte, um die körperlichen Triebe und geistigen
Willensimpulse abzutöten. Als er einsah, daß er eher sterben
würde als rein und erleuchtet zu werden, brach er diese
Selbstkasteiung ab.
Er propagierte den "Mittleren Weg", was ihm damals Ablehnung
von seinen Anhängern einbrachte.
Da der Buddha als Prinz Siddhartha in einem Palast aufgewachsen
war, kannte er das körperliche Wohlleben mit allen Genüssen.
Die meisten Menschen sind von den Sinnesreizen so fasziniert, daß
sie sich dem Leben des Genusses, der Macht und des Wissens
hingeben und für den Erwerb und Erhalt kämpfen.
In unserer jetzigen Wohlstandsgesellschaft sind wir leicht dem
"Lebensrausch" verfallen, wie der Buddha es später nannte.
Dem Prinzen Siddhartha genügte das angenehme Leben mit allen
weltlichen Vorteilen nicht; er suchte nach Wahrheit und
Leidfreiheit.
II. Zitate aus den Lehrreden des Buddha:
A III 39 DREIERLEI RAUSCH
"Drei Arten des Rausches gibt es, ihr Mönche. Welche drei?
Den Jugendrausch, den Gesundheitsrausch, und den
Lebensrausch.
Betört vom Jugendrausch, vom Gesundheitsrausch oder vom
Lebensrausch führt der unkundige Weltling einen schlechten
Lebenswandel in Werken, einen schlechten Lebenswandel in
Worten, einen schlechten Lebenswandel in Gedanken. Dadurch
aber gerät er auf eine Leidensfährte und in Daseinsabgründe..."
Der Prinz Siddhartha erkannte, daß dies nicht der Weg zur
Wahrheit sein konnte. Er experimentierte mit rigoroser körperlicher
Askese - aber er verwarf sie.
Er kam zur Einsicht, daß die körperliche Gesundheit und ein
möglichst langes Leben gute Vorraussetzungen für geistiges
Streben seien.
A V 126 LEBENVERKÜRZENDE UND
LEBENVERLÄNGERNDE DINGE
Fünf Dinge, ihr Mönche, verkürzen das Leben. Welche fünf?
Unzuträgliches tun;
beim Zuträglichen nicht das Maß wissen;
Unreifes und Ungares zu sich nehmen;
Sittenlosigkeit und
schlechter Umgang.
Fünf Dinge verlängern das Leben. Welche fünf?
Unzuträgliches nicht tun;
beim Zuträglichen das Maß wissen;
Unreifes und Ungares nicht zu sich nehmen;
Sittenlosigkeit verwerfen und
guten Umgang pflegen."
Einem wohlhabenden Anhänger, mit Namen Anathapindika, der
dem Buddha und den Mönchen einen Tempel und einen Hain
gestiftet hatte aber selbst wegen seiner Geschäfte nicht zum
intensiven Üben kam, gab er folgenden Ratschlag:
A V 43 FÜNF ERWÜNSCHTE DINGE (gekürzt)
"Es gibt, o Hausvater, fünf erwünschte, begehrte, angenehme
Dinge, die schwer in der Welt zu erlangen sind. Welche fünf?
Langes Leben, Schönheit, Glück, Ehre und himmlische
Wiedergeburt. Und ich sage, o Hausvater: nicht durch Gebete und
Gelübde erlangt man diese fünf erwünschten Dinge. Denn könnte
man sie durch Gebete und Gelübde erlangen, wer möchte wohl auf
sie verzichten? Nicht ziemt es sich für den edlen Jünger, der
langes
Leben, Schönheit, Glück, Ehre und himmlische Wiedergeburt
wünscht, daß er darum fleht, daran Entzücken findet oder
danach
giert. Zur Erlangung eines langen Lebens (Schönheit...) sollte der
danach strebende edle Jünger eben den zu langem Leben
führenden Pfad beschreiten."
Aus seinen eigenen Worten sieht man, daß der Buddha sehr wohl
auf den Körper, seine Gesundheit und langes Leben Wert gelegt
hat. Bei den 5 Kräften als gute Voraussetzung für die Praxis
und
den spirituellen Weg steht Gesundheit an zweiter Stelle. Er selbst
hat jeden Tag zu Fuß wandernd weite Strecken zurückgelegt,
Ruhezeiten eingehalten und in den Ordensregeln körperliche
Belange wie Essen, Kleidung, Unterkunft und Medizin
berücksichtigt.
DIE FÜNF KAMPFESGLIEDER
Der Buddha nennt Vertrauen, Gesundheit, Ehrlichkeit, Willenskraft
und Weisheit als die fünf Eigenschaften, die für den Kampf auf
dem
Entwicklungsweg die besten Voraussetzungen sind. (A V 48)
Die Körperlichkeit des Menschen wird im Buddhismus weder
verdammt, noch negiert; sie wird vielmehr als eine notwendige
Voraussetzung für den geistigen Weg akzeptiert und auch gepflegt.
Dagegen wird das Haften und Anklammern an Sinnendingen und
materiellem Leben abgelehnt, weil es abhängig macht und
unweigerlich zu Problemen und Leid führt. Wie oben zitiert ist der
"Lebenswahn" weit verbreitet, nämlich, daß man sich Glück
und
Erfüllung mit körperlich-materiellen, weltlichen Dingen verschaffen
könnte.
Die kleinen Glücksmomente liefert uns das Leben schon; doch die
innere Reinheit des Herzens und die tiefste, unerschütterliche
Zufriedenheit ist nicht etwas, was von außen erworben werden
kann.
Sich von der Illusion zu befreien, daß man es doch noch schafft mit
materiellen Mitteln glücklich zu werden, ist nicht leicht. Es geschieht
entweder durch die Erfahrung von Enttäuschungen oder durch tiefe
Einsicht. Leider ist damit die vollkommene Befreiung vom
Lebensleid noch nicht erreicht; dazu gehört ein weites Feld der
Übung für innere Reinheit, liebende Güte und für vollkommene
Einsicht.
III. Das Herz des Buddhismus: Achtsamkeit und
Wissensklarheit.
Die spirituelle Übung:
Die Achtsamkeit wird von Thich Nhath Hanh, einem bekannten
Dhammalehrer, als das "Herz des Buddhismus" genannt.
Achtsamkeit und Wissensklarheit sind die geistigen Werkzeuge,
die wir für den spirituellen Pfad brauchen. Die praktische Übung
ist
die Meditation, in der wir uns mit Achtsamkeit unserem
Meditationsobjekt zuwenden. Aber auch im alltäglichen Leben
wird Aufmerken und Präsent-Sein von uns verlangt. Das
vielgepriesene "Hier und Jetzt" kann nur mit der rechten
Achtsamkeit erfaßt werden. - Und da steht der Körper im
Mittelpunkt. Der Körper ist immer das Objekt für Hier und die
Sinnesfunktionen sowie Bewegung und Atmung erleben wir immer
nur im Jetzt.
Wie wichtig dem Buddha die Körperbetrachtung war, zeigen die
nächsten Zeilen:
A I 37
"Wer nicht den Einblick in den Körper kostet,
der kostet nicht das Unvergängliche."
Über den tiefen Einblick ins Vergängliche erfahren wir die
Unvergänglichkeit.
Aus unserer Vorstellung von Zukunft und Vergangenheit ist das
Hier und Jetzt ein rasch vergänglicher Augenblick - aus dem
Erleben eines ständig in der Gegenwart ablaufenden Prozesses
wird die gegenwärtige Unendlichkeit erfahren. Es ist nicht
zukünftige Ewigkeit - es ist die Erfahrung, daß es nichts anderes
gibt als das Hier und Jetzt bis in alle Ewigkeit hinein.
Die Meditation:
Aus zwei Gründen ist der Körper ein wichtiger Faktor bei der
Meditation. Einmal ist es derjenige, der dasitzt, möglichst aufrecht,
wach und entspannt. Zweitens bietet er verschiedene
Möglichkeiten, die Achtsamkeit auf eine bestimmte Stelle zu
lenken; z.B. auf den Atemfluß an der Nase oder das Heben und
Sinken der Bauchdecke. Bei übungen auf dem Stuhl sitzend kann
man sich den Fußsohlen achtsam zuwenden oder auch dynamisch
geistig durch den Körper "wandern".
III a) HATHA-YOGA zur körperlichen Optimierung
als Vorbereitung und Ausgleich für das Sitzen.
Von großem Vorteil sind für aufrechtes, kraftvolles und zugleich
entspanntes Sitzen vorbereitende Yoga-Übungen. Sie geben der
Wirbelsäule und den Muskeln mehr Halt und sie verfeinern das
Gefühl für richtige Spannungsverhältnisse. Kreislauf und
Atmung
erfahren durch maßvollen Yoga gute Unterstützung und der
gesamte Energiefluß wird angeregt, sodaß beim Sitzen ein
körperliches Wohlgefühl aufkommen kann. Viele Meditierer haben
Beschwerden in den Knie- und Hüftgelenken, was sie auf Dauer
abhält, weiter zu sitzen.
Die meisten Menschen sitzen zum Meditieren auf einem
Meditationskissen mit verschränkten Beinen am Boden. Es ist nicht
leicht eine halbe bis ganze Stunde die Wirbelsäule aufrecht zu
halten, sich nicht zu verspannen und sich von körperlichem
Unbehagen nicht ablenken zu lassen. Der Rücken wird müde, die
Schultern verspannen sich, die stark gebeugten Knie schmerzen
und die Hüftgelenke sind überanstrengt. In ausgedehnten
Meditationszeiten und Seminaren wird wegen Mangel an
Bewegung über Verstopfung, Kreislaufbeschwerden, Stau in den
Beinen und Krampfaderbildung geklagt.
Mit Yogaübungen kann man diesen Beschwerden vorbeugen. Sie
stärken Rücken- Bauch- und Schultermuskeln, machen die
Gelenke beweglich und regen die Körperfunktionen in rechtem
Maße an. Außerdem lernt der Übende, mit seinem Körper
besser
umzugehen, er kennt seine Möglichkeiten und Grenzen und
bekommt ein sicheres Gefühl für richtige Spannung. Wer mit
bewußter Energielenkung vertraut ist, kann sich auch in
schwierigen Situationen selbst helfen.
Zwischen und nach Meditationssitzungen ist es angebracht, in
meditativer Form für den körperlichen Ausgleich zu sorgen.
Überdehnte Kniegelenke sollten gespannt werden, verspannte
Muskeln gedehnt und gelöst, und die Blutzirkulation sowie der
Blutdruck haben meistens eine Aktivierung nötig.
Man geht freudiger zum Meditationspolster, das Sitzen wird
leichter und die Konzentration besser.
III b) YOGA und seine meditativen Aspekte
Der richtig verstandene Hatha-Yoga ist keine gewöhnliche
Gymnastik, sondern führt gezielt zur Meditation hin. Er wirkt als
guter Übergang vom stressigen Alltag zum stillen Sitzen. Die
Bewegungen werden verlangsamt und sehr bewußt ausgeführt. Die
Aufmerksamkeit wird weg vom Kopf auf den Körper gerichtet ins
"Hier und Jetzt". Der Atem wird in die Übung mit einbezogen und
bewußt gemacht. Viele Menschen bekommen dadurch erst einen
Zugang zum eigenen Atem, sie lernen ihn spüren, was ihnen dann in
der Meditation bei der Atemachtsamkeit (anapanasati) sehr
zustatten kommt.
Obwohl die meisten Menschen viel für ihren Körper tun in Bezug
auf Ernährung, Vergnügen und auch Sport, ist oft ein Mangel an
wirklichem Spüren und gefühlsmäßiger Hinwendung zum
Körper
festzustellen. Meistens ist es ein Zeichen von Gefühlsschwäche,
die
eine gute Meditation kaum zustande kommen läßt. Die
Kombination von Yoga und Meditation zeigt sich hier als sehr
hilfreich.
Meditative Aspekte im Yoga:
Verlangsamung der Bewegung und sich des Körpers
bewußt werden.
Anhalten und zur Ruhe kommen, entspannen.
Hinwendung zum "Selbst" im Hier und Jetzt.
Achtsamkeit auf einzelne Bewegungen, Haltungen und die
Atmung.
Wissensklare und präzise Durchführung.
Anstatt Kopflastigkeit - Konzentration auf die
Körperhaltung:
darin den Atem erspüren,
darin die Körperempfindung erspüren,
darin die Stimmungslage und Gefühle wahrnehmen,
darin sich akzeptieren lernen.
Wahrnehmen der eigenen Möglichkeiten.
Erkennen der eigenen Grenzen.
Die Balance finden von Wollen und Zulassen.
III c) Meditations-Objekt: Körper in der
Achtsamkeitsmeditation
(Satipatthana)
Die Rechte Achtsamkeit bildet innerhalb des buddhistischen
Lehrgebäudes das siebte Glied des edlen achtfachen Pfades und
hat die Gewinnung des erlösenden Hellblickes (Vipassana) zum
Ziel. Sie wird auf vier Gebieten geübt:
Achtsamkeit auf den Körper - "kayanupassana"
Achtsamkeit auf die Gefühle - "vedananupassana"
Achtsamkeit auf den Geisteszustand - "cittanupassana"
Achtsamkeit auf die Gedanken - "dhammanupassana"
Die Lenkung der achtsamen Betrachtung auf eines dieser Gebiete
heißt "Satipatthana", Achtsamkeitsmeditation.
Die daraus resultierende Einsicht wird Vipassana genannnt.
Der Buddha nennt die Achtsamkeit auf den Körper immer an
erster Stelle, weil er sie für grundlegend wichtig hält.
ZITATE aus den Lehrreden des Buddha:
DIE KÖRPERBETRACHTUNG
"Ist der Körper nicht bemeistert, so ist auch der Geist nicht
bemeistert; ist der Körper bemeistert, so ist auch der Geist
bemeistert."
"...Während er da nach innen beim Körper in Betrachtung des
Körpers weilt, wird er dabei vollkommen gesammelt,
vollkommen abgeklärt. Hierbei vollkommen geläutert,
vollkommen abgeklärt, erzeugt er nach außen, bei einem
anderen Körper den Erkenntnisblick. Ebenso auch weilt er bei
den Gefühlen, dem Geistzustand, den Geistobjekten."
"Dies eine Ding, ihr Mönche, entfaltet und häufig geübt,
führt
zu tiefer Ergriffenheit, zur Hohen Sicherheit, zu Achtsamkeit
und Wissensklarheit, zum Erlangen des Erkenntnisblickes, zu
gegenwärtigem Glückszustand, zur Verwirklichung der
Wissensbefreiung und des Heiligkeitszieles.
Welches eine Ding?
Die auf den Körper gerichtete Achtsamkeit."
Die Erfahrung des Yoga in die Meditation "einbringen".
Wir haben oben gesehen, daß viele meditative Aspekte im Yoga
geübt und erfahren werden können. Diese sollen in der Meditation
verfeinert und verinnerlicht werden.
Bei der Atembetrachtung,"Anapanasati", werden wir durch die
Yogakenntnisse leichter die Konzentration auf dem Atem halten
können. Allerdings müssen wir lernen, uns im Lenken
zurückzuhalten.
Die "Stück für Stück"-Methode oder auch "Körperwanderung"
genannt, setzt das körperliche Spüren voraus, was im Yoga ja
vorgeübt wird.
Hier muß vom persönlichen Eingreifen abgesehen werden.
Auch das Arbeiten mit Farb-Objekten, Elementen und
Naturgegenständen wird im Yoga praktiziert und kann dann in der
Meditation eine andere Tiefe, Bedeutung und Erkenntnis erlangen.
Die "Allumfassende Güte-Meditation" ist eine wichtige
Meditationspraxis, ohne die ein Fortschritt auf dem spirituellen
Weg nicht denkbar ist. Sie erhält gute Vorbereitung im Yoga durch
das Lernen, sich selbst, die körperlichen Fähigkeiten und
momentanen Unfähigkeiten anzunehmen.
Die Willenskraft als "Rechte Anstrengung" bekannt, bekommt in
der Yoga-Praxis ihr Training und die richtige Balance und muß das
ganze Unternehmen des "Wanderns auf dem spirituellen Pfad"
unterstützen.
DIE VERSUCHUNG IM YOGA
Wenn Yogalehrer und gute Schüler die Yoga-Haltungen und
Übungen perfekt, d.h. besser als die meisten anderen Teilnehmer
beherrschen, kann ein Egotrip daraus werden. Man stellt sich
sichtbar in den Mittelpunkt, man ist stolz und selbstzufrieden mit
seiner besonderen Leistung. Hervorstechend ist der "perfekte
Kopfstand" oder der "Lotussitz", was allgemeine Bewunderung
hervorruft.
Zu empfehlen ist, daß jeder Yogalehrer bei einem guten
Meditationslehrer oder bei einer Meditationslehrerin zugleich als
SchülerIn sitzt und auf die EGOFALLE aufmerksam gemacht
wird.
III d) YOGA als ERFAHRBARE LEHRE (5 Balas/ Indriya)
Beispiel
Die fünf Balas:
Vertrauen
Willenskraft
Achtsamkeit
Sammlung
Einsicht.
Diese Fünf geistigen Fähigkeiten, die in jedem Menschen angelegt
sind, muß der Mensch pflegen und entwickeln, damit sie zu
geistigen Kräften werden. In sich selbst und durch sich selbst
entwickelte wertvolle geistige Kräfte sind echte Werte, die einen
guten, ausgeglichenen Charakter ausmachen.
In der buddhistischen Lehre werden sie als Grundlage und als
geistiger Fortschritt angesehen. Für uns ist es wichtig zu wissen,
daß sie die Grundlage für den Selbstwert des Menschen bilden
und
daß durch diese geistigen Kräfte auch der Unterschied von Echtem
Selbstwert und schwankender Ich-Bestätigung herauszufinden ist.
Die 5 Bala (Geistige Kräfte) in Yogahaltungen erfahren.
1. Vertrauen in die eigene Kraft / in universelle Kräfte.
Yogahaltung: "Der Stock" in Bauchlage, Rückenstärkung.
"Der Baum" Vertrauen zu Erde und Himmel.
2. Willenskraft Mut zur Veränderung
Yogahaltung: "Die Kobra" ,Gegenkraft erproben.
"Umkehr, einfacher Schulterstand"
3. Achtsamkeit als rechte Balance
Yogahaltung: "Boot, Gesäßbalance"
Rechte Ausführung, Rechtes Maß.
4. Sammlung - Loslassen und Selbstbescheiden
Yogahaltung: "Yoga Mudra" Verneigen, Vorbeuge.
"Gebremster Atem" Im Ton sammeln.
5. Einsicht in das Eingebundensein im Dasein
Yogahaltung: "Drehsitz" (Variante), Umsicht.
"Meditationssitz und Wechselatem"
Lebendigkeit, Veränderung.
AUSFÜHRUNG:
1a. Vertrauen in die Eigenkraft:"Der Stock"
Dazu liegt man auf dem Bauch, Arme seitlich längs am Körper,
Gesicht nach rechts gedreht.Nun spannt man die einzelnen
Körperteile aufbauend nacheinander an bis der ganze Körper von
der Muskelspannung erfaßt ist: Füße- Beine- Gesäß
und Bauch-
LWS-Gebiet und Taille- oberer Rücken und Brustkorb- die
Schultern und Arme- Hals und Kopf, indem das Gesicht zur Mitte
nach unten etwa 5cm über dem Boden gehalten wird. Drei
Atemzüge lang in der Stellung bleiben- dann langsam und achtsam
Teil nach Teil, beim Kopf beginnend, entspannen.
Mit einem großen Aufatmaen ist diese Übung beendet.
3-5x wiederholen.
Mögliche Wirkung:
Die Muskeln, welche der Wirbelsäule Halt und Stabilität geben,
werden gestärkt, was gewöhnlich schon nach 2-3 Wochen
konsequenten Übens durch bessere Aufrichtung und mehr
Rückenkraft zu fühlen ist. Ein stärkeres Rückgrat ist
auch für die
Psyche ein Stabilisierungsfaktor. Das Vertrauen, sich zu voller
Größe aufrichten und etwas er-tragen zu können, gehört
zu den
grundlegenden Lebenskräften.
1b. Vertrauen zur Erde, zum Himmel: "Der Baum"
Im aufrechten Stand sich seiner Füße bewußt werden, wie
sie den
Boden berühren und durch die Anziehungskraft der Erde
Standfestigkeit erhalten. Langsam von unten nach oben
durchspüren, wie die Energie zum Aufrichten gut eingesetzt wird;
nicht zuviel und nicht zu wenig. Wenn von den Füßen bis zum
Scheitel kraftvolle Sicherheit erlangt worden ist, kann zusätzlich
durch die Atmung und das Bewußtsein das Gefühl von
Aufwärtsdehnung eingesetzt werden. Nun das Körpergewicht auf
den rechten Fuß verlagern und diesen in der Vorstellung wie ein
Baum in der Erde Wurzeln schlagen lassen. Der linke Fuß sollte
bei gutem Gleichgewicht vom Boden abgehoben und hinten um die
rechte Wade und Achillessehne gelegt werden. Den Blick auf einen
Punkt in Augenhöhe fixieren, um die Konzentration aufrecht zu
erhalten.Wenn es die Standsicherheit erlaubt, nun ruhig und
achtsam die Arme seitwärts bis über den Kopf heben und die
Handflächen, mit den Fingerspitzen nach oben, zusammenlegen. In
dieser Haltung verharren und ruhig weiteratmen. Sich bewußt
werden, daß auch wir uns als Menschen auf den Halt von der Erde
verlassen können, der uns die Möglichkeit gibt, nach oben zum
Licht, zum Himmel, zu streben. "Der Baum" wird dann langsam
aufgelöst und mit dem anderen Standbein wiederholt.
Mögliche Wirkung:
Bewußten Bodenkontakt mit den Füßen herstellen.(Einzelheiten
werden im Unterricht angegeben).Gute Aufrichtung erlernen mit
optimalem Spannungsverhältnis, das für aufrechtes Stehen, Gehen
und schmerzloses Sitzen eine Hilfe ist. Die Konzentration wird
durch die Balance auf einem Bein gestärkt. Psychisch ist es vor
allem, das bewußte Wahrnehmen, als Mensch von der Erde den
nötigen Halt zu bekommen, vom Himmel die lebenspendenden
Kräfte wie Luft und Licht, was das Vertrauen zu den Elementen
und zum Leben unterstützt.
2a. Willenskraft- Mut zum Widerstand:"Die Kobra"
In Bauchlage sich des Bodenkontaktes und der Erdanziehung
bewußt werden. Die Hände seitlich an den Schultergelenken
aufstellen, Unterleib und Schambein gut an den Boden drücken,
um von hier die Kraft zum Aufrichten des Oberkörpers zu
beziehen. Die Stirn zu Boden bringen und ausatmen. Mit der
Einatmung und dem Gegendruck des Unterleibesgegen den Boden,
der Kraft der Rückenmuskeln und zuletzt der Hände gegen den
Boden,- sich mit Kopf, Schultern und Brust aufrichten wie eine
Kobra; mäßigen in der Höhe, um den Lendenwirbeln keinen
Schaden zuzufügen. - Ausatmend geführt ablegen und ruhen. In
dieser Weise dreimal die Kobra ausführen. Wer sich dabei gut
fühlt, sollte versuchen, drei Atemzüge lang in der Stellung zu
verharren.
Mögliche Wirkung:
Die Rückenmuskeln werden gestärkt. Die Brustwirbelsäule
erhält
eine ihrer Physiologie entgegengesetzte Biegung, wodurch dem
Rundrücken entgegengearbeitet wird. Hals und Schultern
bekommen Kraft, während der Brustbereich geweitet wird.
Psychisch ist es der Mut, sich der Anziehungskraft
entgegenzustemmen, um "Nein" zu sagen zum bequemen Ausruhen
am Boden. Zugleich steht die Bereitschaft zur Öffnung des Herzens
dahinter.
2b. Willenskraft- Mut zur Umkehr: "Der Schulterstand"
In Rückenlage sich am Boden dehnen, die Beine an den Bauch
anhocken und mit den Händen umfassen; sich so des Aufliegens
bewußt werden. Als Vorübung die Beine zur Decke hinaufstrecken
und die Arme seitlich im rechten Winkel vom Körper am Boden
ablegen. Ausatmend die Beine wieder angehockt an den Bauch
bringen und umfassen - einatmend die Beine nach oben strecken
und die Arme seitlich ablegen. Mehrmals wiederholen.
Für den Schulterstand bei angehockten Beinen die Hände dicht
am
Gesäß aufstützen und Druck erzeugen, sodaß die Knie
in
Gesichtsnähe kommen. Nun die Ellbogen nah zum Körper bringen,
sie gegen den Boden drücken und die Hände stützend an das
Becken legen.Die Beine schräg nach oben strecken und versuchen,
den ganzen Rumpf und die Beine aufwärts zu dehnen, einige
Atemzüge lang bleiben. Wenn unangenehmer Druck im Nacken
oder in der Kehle entsteht, sollte man nur die Vorübung machen
und sich persönliche Anweisung von einem Yogalehrer (einer
Yogalehrerin) holen. Beim Auflösen der Haltung ist darauf zu
achten, kontrolliert im Rücken abzurollen und gleichzeitig den Kopf
in Knierichtung zu heben. Als Ausgleich ist es gut, mit umfaßten
Knien eine Weile zu ruhen und die Wirkung wahrzunehmen.
Mögliche Wirkung:
Die Blutversorgung ist umgekehrt; d.h. der venöse Rückfluß
aus
Beinen und Unterleib wird angeregt, die obere Körperpartie
bekommt mehr arterielles Blut. Das Gehirn, die Augen und Ohren
bekommen mehr Druck, was sich bei niedrigem Blutdruck günstig
auswirkt. Bei Bluthochdruck empfiehlt es sich, auf den
Schulterblättern ganz liegen zu bleiben oder die Beine an der Wand
abzustützen.- Die Übung stärkt bei korrekter Durchführung
fast
alle Muskeln und wirkt durch die Lageveränderung auf alle
Organe. Psychisch kann sie je nach Veranlagung des Übenden
beruhigen oder anregen. Es steckt darin auch der Mut des
Experimentierens. Mit dem Kopf unten sieht alles anders aus.
3a. Achtsamkeit als rechte Balance: "Gesäßbalance, Boot"
Mit ausgestreckten Beinen gut aufgerichtet sitzen, die Hände
stützen die Haltung hinter dem Rücken am Boden. Die Beine
beugen und die Füße aufstellen. Nun die Füße einige
Zentimeter
vom Boden abheben und die Arme ausbreiten. Mit aufgerichtetem
Oberkörper in der Schwebe verharren und weiteratmen. - Ruhig
die Füße abstellen und die Knie umfassen. Beim Boot werden die
Arme schräg nach vorn unten gestreckt, der Oberkörper mit
gerader Wirbelsäule etwas nach hinten geneigt und die Beine
gebeugt soweit angehoben, daß die Unterschenkel waagerecht
sind. Versuchen, einige Atemzüge lang zu verharren. Wenn das
nicht möglich ist, mehrmals aber kürzer die Übung wiederholen.
Der Ausgleich geschieht durch das umfassen der Knie und dem
Entspannen von Rücken und Nacken. Nachspüren!
Mögliche Wirkung:
Stärkung der Bauch- und Rückenmuskeln. Das Gleichgewicht muß
in angespanntem Zustand gefunden werden. Die Konzentration
wird durch die Achtsamkeit auf drei Faktoren gleichzeitig
gefordert: Die nötige Anspannung, die Aufrichtung der Wirbelsäule
und des Brustkorbes und die Haltung der Beine in der richtigen
Balance. Gleichgewichtsübungen regen auch das Gehirn an.
3b. Achtsamkeit als Regler für "Rechte Ausführung und
rechtes Maß".
Wie oben in die Ausgangsstellung für das Boot gehen. Nun aber zu
einer intensiveren Ausführung des Bootes mit schräg
aufgerichtetem Oberkörper die Beine gebeugt heben und sie
schließlich schräg nach oben strecken, sodaß zwischen
dem Rumpf
und den Beinen etwa ein rechter Winkel entsteht. Die Arme seitlich
an den Beinen vorbei waagerecht nach vorne führen. In dieser
Haltung, die präzise eingenommen wird, die Achtsamkeit auf die
eigenen Möglichkeiten und Grenzen richten. Das rechte Maß von
Anstrengung, Aufrichtung und Dauer der Haltung herausfinden.
Den Ausgleich in Rückenlage mit angehockten Beinen machen.
Mögliche Wirkung:
Bei dieser Boot-Haltung werden die Bauch- und
Oberschenkel-muskeln noch intensiver als bei der vorigen Übung
beansprucht. Somit können auch die Grenzen und Möglichkeiten
besser ausgelotet werden. Bei präzisem Vorgehen wird die
Achtsamkeit sehr gerichtet eingesetzt. Psychisch ist es eine günstige
Ausbalancierung der körperlichen wie emotionalen Kräfte.
Genauigkeit und rechtes Maß werden gefordert.
4a. Einsicht in das Eingebundensein im Dasein: "Der
Drehsitz"
Ausgangsstellung ist der Sternsitz, d.h. die gebeugten Knie liegen
seitwärts rechts und links am Boden und die Fußsohlen
aneinander. Gut aufrichten und die Arme seitwärts hinauf bis über
den Kopf führen und dort die Daumen umhaken. Mit dem Zug der
Arme nach oben wird der ganze gerade Rumpf nach oben
gedehnt. Weiteratmen!
Nun die Arme geführt bis zur seitlichen Waagerechten senken, den
Körper leicht nach links drehen, daß die rechte Hand über
den
linken Schenkel greifen und sich halten kann und die linke Hand
hinter dem Rücken zu Boden kommt. Achtsam den Bauch, die
Brust, Schultern und Kopf nach links drehen soweit es möglich ist.
Die Wirbelsäule vom Steißbein bis zum Scheitel soll sehr gerade
aufgerichtet bleiben. Es ist ein Drehen um die eigene Achse.
Verharren und das rechte Maß an nötiger Energie finden; alles
Zuviel einsparen! Den Atem fließen lassen! Aufgelöst wird die
Haltung durch geführtes Zurückdrehen. Der Ausgleich findet in
der
Vorbeuge statt. Die Haltung ist ebenso zur anderen Seite hin
auszuführen.
Mögliche Wirkung:
Da sich der Brustkorb gegen das Becken verschiebt, entsteht der
Effekt des "Auswringens" im Oberbauch und in der Nierengegend.
Dieser Abschnitt wird besonders angeregt, was sich in erhöhter
Nieren- und Darmtätigkeit ausdrückt. Die Wirbelgelenke werden
durch die Drehung aktiviert und die Wirbelsäule begradigt. Durch
das Achsenbewußtsein bekommt die Aufrichtung auch in der
Drehung besondere Betonung.
Psychisch kann das Sich-Wenden nach allen Seiten als
In-Kontakt-Treten mit der Welt gesehen werden, wobei die
Wirbelsäule als Drehachse einen sicheren Mittelpunkt bietet. Die
Einsicht wendet sich ebenso zur eigenen Mitte wie nach außen.
Wissen heißt auch immer beweglich, wendig zu bleiben und die
Halsstarrigkeit abzubauen. Rechts und Links werden als polare
Seiten verglichen und ausgeglichen. Erproben, vergleichen und
prüfen führt zuvernünftiger Einsicht.
4b. Einsicht: Leben als Bewegung, Veränderung.
"Meditationssitz und Nasenwechsel-Atem"
Mit gekreuzten Beinen auf dem Meditationskissen sitzen. Die Knie
sollten möglichst zu Boden kommen oder durch eine
zusammengerollte Decke unterstützt sein. Die Wirbelsäule ist
aufgerichtet, Schultern und Nacken aber nicht verspannt. Die
Hände liegen auf den Knien.- Ruhig atmen. Der
Nasenwechsel-Atem wird eingeleitet durch das Schließen des
rechten Nasenloches mit dem rechten Daumen. Nur durch das
linke Nasenloch ein- und aus-atmen und den Luftzug wahrnehmen.
Nach einigen Atemzügen rechts öffnen und normal atmen. Dann
mit dem Ringfinger der rechten Hand das linke Nasenloch
schließen und nur durch das rechte ein- und ausatmen.--- Nach
einer Pause nun mit dem Daumen das rechte Nasenloch
verschließen und links ruhig ausatmen - links wieder einatmen -
links schließen - und rechts ausatmen - rechts wieder einatmen -
rechts schließen - und links ausatmen - links wieder einatmen - und
rechts ausatmen ...Einen ruhigen, eigenen Atemrhythmus finden,
den man ohne Mühe einige Minuten halten kann. Der Atem läuft
von einem Nasenloch zum anderen wie ein umgekehrtes "U".
Wenn der Geist zur Stille oder zur Mitte neigt, hört man mit dem
Wechselatem auf und zentriert sich nach innen.
Mögliche Wirkung:
Das Sitzen in Meditationshaltung kann die Erkenntnis bringen, wie
sich im Körper ständig etwas verändert: Spannung, Druck
und
Schmerz wechseln mit Lösung, Offenheit und Wohlbefinden ab.
Empfindungen verschieben sich oftmals von einem Körperteil zum
anderen.
Mit der Nasenwechselatmung bekommen wir ein noch deutlicheres
Bild von der Beweglichkeit des Atems. Fördert man die Bewegung
wie hier beim Atmen, wünscht der Geist sich Ruhe und
Zentrierung, was zu gesammelter Meditation führt.
5a. Sammlung - Loslassen und Selbstbescheidung.
"Yoga-Mudra"
Aufrecht auf den Fersen sitzen. Die Hände im Rücken falten und
sich langsam und achtsam nach vorne neigen bis der Kopf nahe an
den Boden kommt. Bei Druck an den Augen oder Schwindel sollte
man die beiden Fäuste aufeinanderstellen und darauf die Stirn
legen. Wichtig ist, daß man das Gefühl von "klein
zusammengefaltet" bekommt. Bescheiden werden, sich verneigen
vor Größerem; das ist die Bedeutung dieser Haltung.
Mögliche Wirkung:
Loslassen von der Wichtigkeit des Ichs und in
Selbstbescheidenheit demütig werden. Die Selbstbeschränkung als
positive Kraft erleben.
5b. Sammlung und Zentrierung
"Gebremster Atem"
Aufrecht auf den Fersen sitzen. Ruhig und geduldig atmen. Wenn
die Ausatmung beginnt sich in Yoga-Mudra vorneigen wie oben;
einen Augenblick in der Atempause verharren und sich mit der
Einatmung wieder aufrichten. Mehrmals wiederholen. Nun bei der
Ausatmung sich summend vorneigen und bis zum Ende des
Summtones unten bleiben. Mit der Einatmung ruhig wieder
aufrichten. Mehrmals wiederholen.- Dann beim Ausatmen das
"OM" tönen mit Verneigen, einatmend aufrichten. Nach
mehrmaliger Wiederholung ruhig aufgerichtet im Fersensitz bleiben
und die meditative Atemachtsamkeit beim natürlichen Atem
weiterführen. Man kann auch in den gewohnten Meditationssitz
wechseln.
Mögliche Wirkung:
Das Bremsen der Ausatmung durch Summen oder Tönen,
verlängert den Atem und läßt ihn bewußter werden.
Das Verneigen
als Ausdruck des Loslassens und das "OM" als Ausdruck des
Sammelns in etwas Höherem ergeben zusammen eine gute
meditative Haltung.
In der folgenden Meditation kann die Achtsamkeit auf den Atem
leichter und länger gehalten werden.
IV. Rechte Sicht und Rechtes Maß
Üben ohne Fanatismus, ohne Nachlässigkeit.
Körper- und Geistestraining kombinieren.
Segen der Köperachtsamkeit und Wissensklarheit.
Was oben als Yoga-Übungen zu den Balas beschrieben wurde,
muß korrekterweise in sofern eingeschränkt werden als wir es
in
dieser Form noch nicht mit den Balas selbst zu tun haben. Jeder
Mensch hat potentielle Fähigkeiten, die geweckt und gefördert
werden können. Indriya heißen die fünf Balas im Zustand
der noch
nicht vollentwickelten Fähigkeiten. An ihrer Entwicklung zu
arbeiten, ob im körperlichen, psychischen oder mentalen Bereich,
ist immer von Vorteil für das täglichen Leben wie für den
spirituellen
Pfad.
Den "Mittleren Weg" zu wählen, ohne Fanatismus und Zwang,
aber auch ohne Lässigkeit heißt, in kleinen Schritten aber
unentwegt vorwärtszugehen. So kommen wir dem hohen Ziel
näher.
Eine Fähigkeit der Achtsamkeit sei noch besonders
hervorgehoben: Es ist das Regulativ bei Unausgewogenheit der fünf
Kräfte. Sie schaut auf ein gutes Gleichgewicht aller Werte
untereinander.
Die fünf geistigen Kräfte zeichnen als zu verwirklichende spirituelle
Werte den ganzen spirituellen Weg vor.
In A.V.14
"...wird Vertrauen als unerschütterliches Vertrauen zum
Vollendeten erklärt, die Willenskraft als unerschütterliches
Streben, das Unheilsame zu überwinden und das Heilsame zu
erwecken. Die Achtsamkeit wird als unerschütterliche
Achtsamkeit und Gedächtniskraft beschrieben, die Sammlung,
als die durch Vertiefung gewonnene Sammlung und die
Einsicht als durchdringende Einsicht in das Entstehen und
Hinschwinden aller Daseinserscheinungen."
Um diese unsere Fähigkeiten zu unerschütterlichen geistigen
Kräften zu entwickeln, bedarf es einer lebendigen Motivation und
sichtbaren Fortschrittes.
Die Ansprüche sind hoch aber gerade deswegen ist es meines
Erachtens nach notwendig, diese Fähigkeiten an ihrer Basis, im
Körperlichen, zu wecken und zu üben. Im Körperlichen können
sie
erdnah erfahren werden und hängen nicht in intellektuellen
Idealvorstellungen in der Luft.
Der Buddha ging immer wieder vom Körper aus, um die
Lehrinhalte erlebbar zu machen.
Vom körperlich-bewußten Üben ist das "Hier und Jetzt" als
Stabilisierungsfaktor nicht wegzudenken. Die Stabilität durch die
physisch-bewußte Gegenwart sowie die Ausgewogenheit der
Übungen und ihre ruhige, achtsame Ausführung verschaffen der
Psyche wohltuende Ruhe und Balance.
Viele, die vorerst nur Yoga machen wollten, sind unmerklich in die
Meditation hineingewachsen und haben den Geschmack von
Spiritualität bekommen. Der größte Teil von ihnen hat Interessa
an
der Lehre gefunden, die sie in ihr Leben und vorwiegend in ihre
eigene herkömmliche Religion integriert haben.
Für sehr wichtig halte ich es, besonders für die heutige Zeit,
wo
echte Werte wenig Anziehungskraft haben, der Selbstwert aber
dementsprechend gesunken ist, wieder fühlbare Kräfte aufzubauen,
welche die Basis für echten Selbstwert bilden können.
Kraftvolles Selbstwertgefühl ist der Ausgangspunkt für alle anderen
Werte. Von sich ausgehend können diese Werte bei anderen
gesehen und anerkannt werden.
Von dieser Grundlage aus können sie ins Spirituelle hineinwachsen,
von wo gleichzeitig die Anziehungskraft des erlösenden Heils als
Sog wirkt.
Die höchsten unerschütterlichen Kräfte richten sich auf
den Buddha
als das Befreiungsprinzip, auf den Dhamma als den Befreiungsweg
und auf die Sangha als die unterstützende Gemeinschaft im
Erlösungsstreben.
(Autorin: Ursula Lyon)